Malerkolonie Nidden und Maler in Nida

Eine Künstlerkolone Nidden war nicht geplant, wurde nie gegründet. Sie entstand ganz langsam: Neugierige Geographen und Tiermaler hatten das arme Fischerdorf Nidden, umgeben von etwas Wald und vielen Dünen vor dem großen Kurischen Haff, ganz am Ende Deutschlands gelegen, entdeckt. Lange galt es als Geheimtipp. 1888 weilte der Maler Bischof-Kulm dort und Ausstellungen von Bildern der Kurischen Nehrung in Königsberg machten Nidden bekannt.
1909 reiste Max Pechstein erstmals dorthin und wiederholte seine Aufenthalte, denn die ungewöhnlichen Formen der Dünenlandschaft und das starke, der Nehrung eigene Licht hatten ihn fasziniert.

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Rückblickend schrieb er: „Alles ersäuft bei mir in Farben, mein Gehirn ist nur mit Bildern gefüllt und es jagt mich die Idee des zu malenden von einem Ort zum anderen...“ Im Jahre 1919 zeigte der Kunstsalon Gurlitt in Berlin von Pechstein bereits 24 Gemälde aus Nidden!

Anlaufadresse in Nidden und Treffpunkt

Anlaufadresse in Nidden und Treffpunkt der Künstler war der Gasthof Hermann Blode, dessen Wirt häufig von Malern ein Bild statt Bargeld erhalten hatte. Leider ging sein ganzer Bildersammlung ebenso wie die Bilder seines Schwiegersohnes Ernst Mollenhauer 1945 verloren: verheizt von Sowjets in der Sauna, wie die Enkeltochter Hermann Blodes 2012 kurz vor ihrem Tode auf Nachfrage hin erzählte.
Ein ausgezeichnetes, handliches Buch zu Malern, die in Nidden arbeiteten, hat Jörn Barford erstellt: „Nidden - Künstlerort auf der Kurischen Nehrung“. Allen Freunden der Kurischen Nehrung und allen Kunstinteressierten sei es empfohlen.

Auch die Zahl der Besucher der Künstlerkolonie kann sich sehen lassen. Von Ludwig Passarge über Walter Otto, Bernhard Minetti und Heinz Rühmann bis hin zu Thomas Mann – alles was Rang und Namen hatte trug sich in das Gäestebuch des Blode - Gasthofes ein.

Der Gasthof Hermann Blode

Bei dem heutigen Hotel Nidos Smilte in Nida (vormals Nidden) erinnert eine kleine Ausstellung an die Niddener Malerkolonie und seine Besucher. Hier stand damals der Gasthof Hermann Blode. Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass diese kleine Erinnerungsstätte erhalten bleibt und gepflegt wird.
Die vielen von Maja Ehlermann, der Enkeltochter Hermann Blodes, gesammelten Bilder werden im Museum in Lüneburg irgendwann zu sehen sein.

Das schaurige Ende des zweiten Weltkrieges war auch das Ende der Künstlerkolonie Nidden. Die Flucht der ansässigen Bevölkerung hinterließ 1945 auch auf der Kurischen Nehrung eine kulturelle Leere.

Eduardas Jonuszas

Glücklicherweise gelang es dem Künstler Eduardas Jonuszas schon 1956 in die Stille der Kurischen Nehrung zu gelangen. Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit malte er, sammelte Erinnerungsstücke der Vergangenheit wie deutsche und russische Soldatenhelme, Grabkreuze und Kurenbretter, renovierte und bewahrte so vieles vor dem Verfall. Später baute er sogar einen Kurenkahn orginalgetreu nach. Die stille Landschaft der Kurischen Nehrung und seine Familie taten seiner Seele wohl. Nach und nach konnte er seine schrecklichen Erlebnisse von Heimatlosigkeit, Flucht und sowjetischem Straflager der Leinwand anvertrauen. Er ist einer der ganz wenigen Künstler, die solche Erinnerungen in Bilder umsetzen konnten, meist findet man schriftliche Zeugnisse.

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Bis April 2014 lebte der große Künstler Eduardas Jonuszas inmitten seiner Werke.
Diese haben zwei große Themen: Gewälttäter und Opfer ist das eine, das viele Besucher vor seinen Werken erschauern lässt. Das andere Thema ist die Frage nach dem Ort, wo wir uns befinden, nach unserer Welt, nach unserem Kosmos. Dazu findet er überraschend ruhige, originelle symbolische Bilder.

Angemeldete Interessenten können meist  im Rahmen einer Ortsführung sein Atelier besuchen.

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Natürlich entdeckten auch andere litauische Maler nach und nach die Kurische Nehrung, blieben ein Weilchen um zu malen und irgendwann entstand am Rand von Nida, kurz vor dem Campingplatz, ein Arbeits- und Ausstellungsraum für Künstler. Im Sommer kommen litauische Maler dorthin und natürlich auch Urlauber, die sich für moderne Kunst interessieren.  Auch im Zentrum von Nida gibt es immer wieder Kunstausstellungen und hier wie dort kann man auch Bilder kaufen.

Neugierige Geographen und Tiermaler hatten das arme Fischerdorf Nidden, umgeben von etwas Wald und vielen Dünen vor dem großen Kurischen Haff, ganz am Ende Deutschlands gelegen, entdeckt. Lange galt es als Geheimtipp. 1888 weilte der Maler Bischof-Kulm dort und Ausstellungen von Bildern der Kurische Nehrung in Königsberg machten Nidden bekannt. 1909 reiste Max Pechstein erstmals dorthin und wiederholte seine Aufenthalte, denn die ungewöhnlichen Formen der Dünenlandschaft und das starke, der Nehrung eigene Licht hatten ihn fasziniert. Rückblickend schrieb er: „Alles ersäuft bei mir in Farben, mein Gehirn ist nur mit Bildern gefüllt und es jagt mich die Idee des zu malenden von einem Ort zum anderen...“ Im Jahre 1919 zeigte der Kunstsalon Gurlitt in Berlin von Pechstein bereits 24 Gemälde aus Nidden. Ein ausgezeichnetes, handliches Buch zu Malern, die in Nidden arbeiteten, hat Jörn Barford erstellt: „Nidden - Künstlerort auf der Kurischen Nehrung“. Allen Freunden der Kurischen Nehrung und allen Kunstinteressierten sei es empfohlen. Bei dem heutigen Hotel Nidos Smilte in Nida (vormals Nidden) erinnert eine kleine Ausstellung an die Niddener Malerkolonie und seine Besucher. Hier stand damals der Gasthof Hermann Blode, dessen Wirt häufig von Malern ein Bild statt Bargeld erhalten hatte. Leider ging sein ganzer Bestand ebenso wie die Bilder seines Schwiegersohnes Ernst Mollenhauer - 1945 verloren: verheizt von Sowjets in der Sauna, wie die Enkeltochter Hermann Blodes 2012 kurz vor ihrem Tode auf Nachfrage hin erzählte. Die Flucht der ansässigen Bevölkerung hinterließ 1945 eine kulturelle Leere. Glücklicherweise gelang es dem Künstler Eduardas Jonuszas, belastet mit schrecklichen Erinnerungen an seine Jahre im sowjetischen Straflager, schon 1956 in die Nähe zur Kurischen Nehrung zu gelangen. Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit malte er, sammelte Erinnerungsstücke der Vergangenheit wie deutsche und russische Soldatenhelme, Grabkreuze und Kurenbretter, renovierte und bewahrte so vieles vor dem Verfall. Später baute er sogar einen Kurenkahn orginalgetreu nach. Bis April 2014 lebte der große Künstler, seitlebens unterstützt von seiner Frau, inmitten seiner Werke. Diese haben zwei große Themen: Gewälttäter und Opfer ist das eine, das viele Besucher vor seinen Werken erschauern läßt. Das andere ist Thema ist die Frage nach dem Ort, wo wir uns befinden, nach unserer Welt, nach unserem Kosmos. Dazu findet er überraschend ruhige, originelle symbolische Bilder. Angemeldete Interessenten können meist im Rahmen einer Ortsführung sein Atelier besuchen. Als gute Vorbereitung hierfür ist das zwar ernste aber keineswegs humorlose Buch zu empfehlen: Heinz Oppermann, Schicksalsjahre ISBN 978-3-00-020909-3

 

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