Landschaft  -  Kulturlandschaft Kurische Nehrung

Die Kurische Nehrung, nur 100 km lang und zwischen 96 m und 4 km breit, mit einem Sandstrand von 100 km Länge ohne Unterbrechung, mit Dünen, Wiesen und Wald und sieben kleinen Ortschaften - eine Landzunge zwischen zwei großen Wasser, der Ostsee und dem Kurischen Haff. Die Kurische Nehrung ist in ihrer Gesamtheit - ihre Landschaft und ihre Orte -  Weltkulturerbe. Es gibt keine zersiedelte Landschaft, keine moderne Hotelriesen. Vier-Sterne-Hotels und große Zimmer dürfen Sie also hier nicht erwarten - und nicht vermissen! Dann kann es, mit Unterkunft in einem hübschen Gästehaus oder in einem der kleineren Hotels, ein wundervoller Urlaub werden: die wunderbare Landschaft und kleinen Museen sind etwas ganz Besonderes.

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Die Dünen auf der Kurischen Nehrung

Der Sand des Meeres und der Wind haben wenige kleine Festlandinseln, die nach dem Abschmelzen der Eiszeitgletscher aus der Ostsee ragten, zu einem langen Dünenband verbunden. Dünengebiete und größe Waldgebiete reihen sich aneinander, mituntr vom Flugzeug aus gut zu sehen.
Am südlichen Ortsrand von Nidden, wenn Sie auf die Parnidesdüne steigen, sehen Sie nach Süden hin Sandflächen, Sandhügel und Sandberge soweit das Auge reicht.

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Ein Erlebnis, etwa 20 Kilometer weiter nach Norden, sind die Toten Dünen

Ein Erlebnis, etwa 20 Kilometer weiter nach Norden, sind die Toten Dünen, ein großes Gebiet auf der Ostseite der Nehrung, dessen Dünen nicht mehr wandern, also "tot" sind. Das Waldgebiet im Westen läßt den Sand vom Meer her nicht mehr anwehen und der dürftige Bewuchs an Strandhafer und ähnlichen Gräsern hindern die Sandkörner meist am Weiterrollen im Wind. Nur an wenigen Stellen sind die Dünen noch lebendig: dort wandert der Sand, da oft ein Westwind weht, langsam weiter nach Osten, bildet eine Kuppe, die immer höher und deren Osthang immer steiler wird; irgendwann einmal wird sie mit Getöse in das Kurische Haff abrutschen.

In der Zeit, als die Kurische Nehrung überwiegend aus Dünen bestand, waren die Siedlungen sehr klein, das Leben der Kuren sehr hart und sehr gefährdet. Bis in das 19. Jahrhundert haben die Dünen immer wieder Siedlungen unter sich begraben: Alt-Kunzen, Predin, Neustadt, Alt-Nidden, Alt-Negeln, Karwaiten, Alt-Pillkoppen, und Negeln.

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Die Vordüne schützt seit über 150 Jahren vor Sand und Überflutung.

Besondere Pflanzen zum Festhalten des Sandes wurden entdeckt wurden. In Cranz, ganz im Süden der Nehrung, wurde zuerst eine Vordüne errichtet, in Memel bemühte sich Wilhelm Sandner um das Nordende der Nehrung, die Süderspitze. Auch sollte der Postweg als Verbindung von Königsberg nach Memel unbedingt erhalten bleiben und die Nehrungsdörfer vor weiterer Versandung gerettet werden. So schickte die preußische Regierung Wilhelm Franz Epha, Forstmann und Badekommissar, 1864 nach Cranz. Er trieb Ausbau und Befestigung der bis zu 8 Meter hohen Vordüne und die Aufforstung voran. Eine Rossitten (heute Rybatchij) bedrohende Wanderdüne ließ er in bis heute bewährter Weise bepflanzen; als Epha-Höhe erinnert sie weiterhin an ihn. In Nidden rettete Georg David Kuwert die Poststation vor der Verschüttung. Sein Grab findet man nahe der Poststraße.

Viele Hände arbeiteten mühsam die langen 100 Kilometer entlang, bei Nidden zeitweise wohl auch Strafgefangene.

Und die Aufforstung wirkt noch immer: Heute wachsen die Dünen nicht mehr an. Im Gegenteil.
Eine internationale Kommission riet schon vor über 20 Jahren, einige Stellen abzuholzen, um den Sandflug vom Meer her zuzulassen. Aber dafür entschied man sich nicht. Immerhin gibt es für weite Teile der Dünengebiete ein Verbot: nicht betreten - damit sie  möglichst erhalten bleiben.
Wenn man Fotos aus der Zeit um1930 betrachtet, sieht man, wie die Dünen geschrumpft sind die ihre Bewachsung vorangeschritten ist. Von "litauischer Sahara" kann man eigentlich nicht mehr sprechen.

Der Wald auf der Kurischen Nehrung

Meist ist es ein lichter, von Birken und Kiefern durchzogener Wald, der sich zwischen der  Vordüne und der "Poststraße" und - abgesehen vom Gebiet der Toten Dünen - auch weiter östlich davon, mitunter bis zum Kurischen Haff erstreckt. An vielen Stellen hat der starke Westwind die Kiefern richtig schief geblasen. Breiten weiße Flechtenteppische breiten sich dazwischen aus.

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Besonders alt, dicht und reich an Laubbäumen ist der Wald bei Schwarzort. Er beginnt gleicht hinter den Häuserreihen.  Er ist derartig hügelig und hat so tiefe Einschnitte, daß man sich darin wie in einem Märchenwald verirren kann, auch ohne die großen Sagen- und Märchenfiguren, die in Juodrkante / Schwarzort viele Besucher anlocken.

Der Strand auf der Kurischen Nehrung

von 100 km Länge, durchgehend feinkörnig, mit nur wenigen Kieseln durchsetzt, fällt sanft ab und ist für Kinder ganz ideal. Burgenbauen ist sehr beliebt. Da die Ostsee keine Gezeiten hat, halten die Bauwerke recht lange.
Auch ist der Strand nicht möbliert, von wenigen Bänken und den runden Umkleidekabinen abgesehen. Lange Strandwanderungen sind ein wahres Vergnügen. Sie werden in Litauen nicht durch eine Sperre aufgehalten. Thomas Mann war bis heute der einzige, der sich einen Strandkorb mitbrachte.

Einer der schönsten Strände Europas, für Erwachsene wie für Kinder.

Strand auf der NehrungStrand auf der Nehrung, Nidden

Die Orte auf der Kurischen Nehrung

auf der Kurischen Nehrung liegen, dem Westwind abgewandt, an der Ostseite der Nehrung, also am Kurischen Haff.  Natürlich sind die Orte heute wesentlich größer als noch vor 80 Jahren und vor allem etwas dichter bebaut. Blumengärten sind oft Stellflächen für Pkws gewichen. Doch im Großen und Ganzen haben sie die alten Ortsgrenzen bewahrt und ihr alter Charakter bleibt - da sie wie die gesamte Kurische Nehrung zum Weltkulturerbe gehören - hoffentlich noch lange erhalten.

Schwarzort / Juodkrante,

nur 20 km von Memel entfernt war durch die Bernsteinbaggerei recht groß, vor allem lang, geworden und Urlaubsziel vieler Memeler. Heute kommen besonders Litauer dorthin. Die Nehrung ist hier ein klein wenig schmäler und für den Weg zum Strand braucht man ein paar Minuten weniger. Eine große Bühne für Musik und Theater nutzen litauische Künstler im Sommer des öfteren. Auch die vor kurzem noch unbedeutenden kleinen Fischerdörfer Perwelk und Preil sind dabei, sich zu hübschen Orten zu mausern.

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Nidden (und Pillkoppen)

jedoch, am Rand der großen Dünen der "Preußischen Sahara", erkoren sich Segelflieger und die Maler aus Königsberg und Berlin. Etwa seit 1850 zog es einzelne dorthin. Der Gasthof Blode und sein Wirt waren später fester Treffpunkt, - Dünen, Elche Häuser, Meer, Haff, die kurischen Fischer und ihre originellen Kurenkähne (mit Herd!) die häufigsten Themen der Maler. Auffallen in Nidden / Nida wird Ihnen das Blau vieler Häuser, das sogenannte Niddener Blau. Schon Thomas Mann vermerkte:

"Im Fischerdorf findet man an den Häusern vielfach ein besonders leuchtendes Blau, das sogenannte Niddener Blau, das für Zäune und Zierate benutzt wird. Alle Häuser, auch das unsere, sind mit Stroh- und Schilfdächern gedeckt ... "

Dieses alte Blau, das Nidden so freundlich für seine Besucher erscheinen ließ und milder als des heute in Mode gekommene Blau war, sprach für den ästhetischen Sinn der meist kurischstämmigen Bevölkerung. Kurisch sprachen miteinander die Niddener Fischer bis zur Flucht 1944. Natürlich konnte man auch Deutsch und oft auch Litauisch.

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Der Grabstein für Richard Pietsch auf dem alten Friedhof (in der oberen Ecke nahe der Kirche) trägt die Aufschrift in deutscher, kurischer und litauischer Sprache. Diese Sprachen beherrschte der einstige Niddener Fischerbub, der das Buch "Fischerleben auf der Kurischen Nehrung" auch auf Kurisch geschrieben hat. Drei weitere Orte liegen im nun russischen Teil der Kurischen Nehrung: Pillkoppen (heute Morskoe), Rossitten (heute Rybatchij) und Sarkau (heute Lesnoje).

Ein altes Niddener Gästebuch soll diesen Eintrag haben:
"Tagsüber aalen und abends Aal bleibt Nidden stets der Ort meiner Wahl ..." - So genügsam war man mal.

Die Lebensweise früherer Bewohner kann man im ethnographischen Museum nahe dem Hafen und dem Historischen Museum nahe Hotel Nidos Smilte/ Haus Auschra studieren.
Und wenn die Kurische Nehrung die meisten Gäste hat, zwischen 10. Juli und Mitte August, da gibt es natürlich auch besonders viel Kultur in Nida: das Thomas-Mann Festival und die Thomas-Mann Festtage!

Und bei dem, was wir Weitgereisten vielleicht als kleine Panne oder Mangel werten möchten, muss man daran denken, dass die nächsten Handwerker und der nächste Baumarkt etwa 60 km entfernt ist.
Und auch Altmodisches kann hübsch sein – besonders inmitten einer so wunderbaren Landschaft.

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