Kurisches - kurios 

Warum heißt diese Nehrung Kurische Nehrung? ODER: Warum die Kurische Nehrung nicht Kuhrische Nehrung heißt

Kurische Nehrung – woher dieser Name

Kurische Nehrung -  sieht man manchmal versehentlich so geschrieben: Kuhrische Nehrung. Aber von den Kühen erhielt sie nicht ihren Namen. Es gab auch einige Kühe auf der Nehrung. Für sie mußte das Futter vom Festland mit den Kähnen geholt werden, denn auf der Nehrung gab es nur wenig Gras.

Die Kurische Nehrung hat ihren Namen von den Kuren erhalten, einem lettischen Volksstamm, der an der Ostsee entlang siedelte und einen eigenen lettischen Dialekt sprach. Kurland, auf lettisch Kurzeme, ist noch heute die westlichste Region Lettlands.

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Diese Verbindung nach Kurland, insbesondere nach Windau (heute Ventspils) an der Küste Lettlands (heute Ventspils) bestätigten auch Ausgrabungsfunde an der Ordensburg Memel (heute Klaipeda)

Einer der letzten Herzöge Kurlands hatte besten Kontakte zum Zarenhof und konnte sich sein Schloß Ruhenthal (heute Rondale) von dem Baumeister planen lassen, der auch die Ermitage in St.Petersburg erbaute.

Das Kurische Haff mit fast 1600 qkm, war das beste Fischfanggebiet der Kurischen Nehrungsfischer. Aus der Ostsee holten Sie den Lachs, den Dorsch und die Flundern, während das Kurische Haff an die 20 Fischarten bot, von Aal und Barsch über den Hecht bis zum Zander.

Der Kurenkahn – er war „das Auto“ der kurischen Fischer

Der Kurenkahn – er war „das Auto“ der kurischen Fischer, angetrieben mit reiner Naturkraft, dem Wind. Er ist ein langer und breiter Kahn mit etwa nur 40 cm Tiefgang, also geeignet für seichte Gewässer. Er hat einem ebenen Boden, so dass auch Tiere, Körbe und andere Lasten gut transportiert werden konnten und außerdem eine Kochstelle, die die nächtliche Kälte beim Fischen erträglicher machte. Große absenkbare Seitenblätter dienten der Stabilisierung.

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In erster Linie diente er dem Fischfang, natürlich auch zum Fischverkauf in Memel und zum Heuholen vom östlichen Ufer des Kurischen Haffes, ab und zu auch zur Brautschau.

Ihn zu erbauen war eine große Kunstfertigkeit, ihn zu führen eine andere. Der flache Kahn hatte in der Regel 3 bis 5 Mann Besatzung, konnte bei Winde mit seinen drei unterschiedlich großen Segeln rasante Fahrt aufnehmen. Seitenblätter dienten zur Stabilisierung, die Kochstelle versorgte die Mannschaft mit heißem Tee. Zum Fischen fuhr man abends aus und kehrte morgens zurück.

Der in Nida liegen Kurenkahn "Kursis" wurde 1993 von dem Bildhauer und Maler Eduardas fertiggestellt, in langer mühevoller Arbeit. Sie sollten unbedingt eine Fahrt mit diesem stillen Boot unternehmen, den geringen Preis - angesichts des Aufwandes! - nicht scheuen; denn der Kurenkahn gehört zur Kultur der ehemaligen Nehrungsbewohner. Helfen Sie bitte auf diese Weise mit, die Erinnerung daran lebendig zu halten.

Der Kurenwimpel

Der Kurenwimpel – ist so etwas wie unser Autokennzeichen. Im Hauptteil des Wimpels war der Heimatort des Kahnes abzulesen. Alle Kähne waren registriert. Weiß-Schwarz gekennzeichnet waren die Orte der Kurischen Nehrung, rot-weiß die Orte auf dem Festland, dem östlichen Haffufer und blau-gelb die Orte am südlichen Haffufer. Die weitere Ausschmückung war des Kurenwimpels war Ehrensache der Familie.

Um der Fischbestand zu schützen wurde etwa ab dem 20.Jh. der Fischfang auf dem Haff reguliert. Es gab zu bestimmten Zeiten Fangverbote, und Regionen, in denen nicht gefischt werden durfte. Ein Fischmeister kontrollierte mittels des Fernstechers, ob ein Kahn dort fischen darf, wo er gerade fischte. Verstöße wurden geahndet.

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Die kurische Sprache

Die kurische Sprache, das Kurische, dieser lettische Dialekt, wurde auf der Kurischen Nehrung bis zur Flucht der Bevölkerung gesprochen. Außerdem konnte man natürlich Deutsch und meist auch Litauisch. Richard Pietsch, der einer Niddener Fischerfamilie entstammte und in seiner Kindheit in Nidden selbst Kurenwimpel anfertigte, veröffentlichte 1982 sein Buch: „Fischerleben auf der Kurischen Nehrung“, auch in kurischer Sprache. Inzwischen gibt es auch eine litauische Ausgabe.

Kurenkreuze, Kurenbretter, Totenbretter

Kurenkreuze, Kurenbretter, Totenbretter – sie sind ein besonderes Grabmal für Verstorbenen. An ihrer Form kann man sehen, ob eine Frau oder ein Mann hier beerdigt wurde. Häufig tauchen Vögel und die stilisierte Form einer Kröte auf, ein Auferstehungssymbol, nicht nur hier. An den Daten auf den Kurenkreuzen der Verstorbenen kann man das schwere Leben der Menschen ablesen. Nicht immer sind die Gefahren des Haffes so deutlich beschrieben wie auf dem Grabkreuz der Niddener Brüder Sakuth aus dem Jahre 1930.

Doch auch Maler und Dichter sprechen davon:

Vom Wasser wird alles
umspült und bezwungen,
es nahm ihr den Mann,
zwei große Jungen.
Sie fuhren hinaus,
die Segel straff.
Einzeln nach Haus
brachte die Toten das Haff.
Walther Heymann  (1882 -1915),
Nehrungsbilder, 1909 S. 38 f.

Nur Kinder und Frauen
kommen im Kirchhof zu liegen
im hellen Sande,
zu dem die Möwen fliegen;
und nur mal einer
in Oeltuchjacke oder offenem Hemd
wird auf den Sand geschwemmt
und begraben. Die meisten find't keiner.

Walter Heymann  (1882 -1915),  
Nehrungsbilder S. 39

Ein kleines Ethonographisches Museum nahe am Haff in Nida erzählt mit alten Fotos vom Fischerleben auf der Kurischen Nehrung, den Kurenhäusern und von vielem anderen mehr.

 

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